Wie der Wahlkampf in den USA, Israels Regierung und viel Männlichkeit der Welt bald einen Krieg bescheren könnten, den auch Deutschland unterstützen wird.
Der Vorwahlkampf in der GOP, der Grand old Party, wie die Partei der Republikaner meist in den US-Medien genannt wird, ist nun seit einigen Monaten im vollen Gange. Die Kandidaten, nach dem Ausscheiden Michele Bachmanns vor ein paar Tagen alles nur noch Männer, protzen in Fernsehdebatten und machen gewagte Wahlversprechen. Kohärenz spielt dabei keine Rolle, in die Schlagzeilen geraten und sich von den anderen Kandidaten irgendwie abzusetzen ist alles.
Dabei geht es recht, nun ja, männlich zu. Die Kandidaten versuchen, Stärke zu zeigen, innen- wie auch außenpolitisch. Die Schwächen der anderen Kandidaten werden sofort ausgeschlachtet und zu Gegenkampanien verarbeitet. Bei den Wählern punkten ist alles, es gibt da keine Gnade.
Zum Beispiel: Erinnert sich wer an die Zeit kurz vor dem zweiten Krieg gegen den Irak, als Frankreich sich der Beteiligung entzog? Damals wurden die ‘French fries’ in einigen Restaurants in den USA in ‘freedom fries’ umbenannt und Frankreich und die französische Sprache gerieten in den USA in Ungnade (obgleich sicher nicht bei allen Bürgern). Fast zehn Jahre später macht sich der GOP-Kandidat Newt Gingrich den in einigen Kreisen immer noch vorhandenen schlechten Ruf alles Französischen zu nutzen und versucht den Rivalen Mitt Romney auszubremsen, in dem er per Videoclip dessen Schwächen aufzeigt, und dazu gehören eben seine Französischkenntnisse.
Selbstverständlich darf das Protzen auch nicht fehlen, wenn die Kandidaten beim Republican Jewish Coalition forum vorsprechen, wie es im vergangene Dezember wieder geschah. Wer meint, bei einem derartigen Forum würden die Kandidaten über Diskriminierung und Antisemitismus in den USA sprechen, und wie sie im Amt für Toleranz und Gleichberechtigung eintreten zu planen, dürfte enttäuscht werden.
Rick Santorum ließ die Audienz wissen, dass er mal ein Souvenir in Jerusalem gekauft hat, das jetzt über seinem Küchenbecken hängt, Michele Bachmann plauderte darüber, wie sie mal im Kibbuz war, und Rick Perry beteuerte die ganz besondere Verbindung, die er zu Israel spürte, als er an der Klagemauer stand. Der Satiriker Jon Stewart witzelte im Angesicht derartiger Sprüche und meinte scherzend, jener Anlass sei das Fest, an dem das Wunder gefeiert wird, welcher der unglaublich religiösen christlichen Präsidentschaftskandidaten der Republikaner die Juden nun doller lieb hat.
Nun wäre es irrelevant für Krieg und Frieden in der Welt wenn es nur um den Austausch von Nettigkeiten ginge, aber auch hier demonstrieren die Kandidaten ihre männlichen Stärken.
Rick Perry machte deutlich, dass mit ihm als Präsident die strategische Unterstützung für Israel in allen Formen zunehmen würde. Santorum und Romney liessen verkünden, dass unter ihnen die USA alles tun würden, um die Ayatollahs am erlangen einer Atombombe zu hindern, während Michele Bachman verkündete, die Botschaft der USA von Tel Aviv nach Jerusalem verlegen zu wollen. Jon Stewart fand auch das witzig und wunderte sich, ob einer der Kandidaten vielleicht noch vorhätte, zum Amtsantritt nach Jerusalem zu fliegen, um einen Palästinenser in Würgegriff zu nehmen und ihm ein wenig in die Nippel zu zwicken.
Der Gewinner jener Debatte war aber Newt Gingrich, denn der hatte verkündet, wie er Obama in mehren stundenlangen Fernsehdebatten mal zeigen will wo das Stadion liegt. Abschätzend meinte er, er würde aber Obama erlauben, einen Teleprompter zu benutzen. Das Publikum kreischte und erhob sich zum Beifall.
Wer sich die Episode ansehen mag (der Text geht hinter dem Clipfenster weiter):
Überhaupt lassen die GOP-Kandidaten keine Gelegenheit aus um zu zeigen, was sie sonst noch so vom Nahen Osten halten. Im groben halten sie sich dabei an die Vorlagen aus israelischen Regierungskreisen und deren fünf vor 12 Weltuntergans-Rhetorik bei der es nur schwarz und weiß gibt – entweder wir hauen mit der Keule drauf oder wir müssen alle dran glauben.
So meinte Rick Santorum im November, das Westjordanland wäre doch Teil Israels und so was wie Palästinenser gäbe es doch gar nicht. Mitt Romney ließ Anfang Januar verlauten, dass die Bedrohungen durch den Iran derzeit die größte Herausforderung für die USA darstellt, größer also als das Handelsdefizit, die konstant hohe Arbeitslosigkeit oder die steigende Armut im Land. Die mittlerweile ausgeschiedene Michele Bachmann äußerte in einer Fernsehdebatte die Meinung, der Iran plant einen globalen Jihad und hat vor, ihn mit einer Atombombe umzusetzen, weshalb ein Krieg nun mal notwendig sei, um der islamischen Republik zuvorzukommen.
Mit so vielen Liebeserklärungen an Israel begleitet vom Rühren der Kriegstrommel gegen den Iran und respektlosen Äußerungen gegenüber Palästinensern geht es den Kandidaten sicher nicht vorrangig um jüdische Wählerstimmen, denn die Mehrheit der jüdischen Wähler unterstützt ohnehin die Demokraten. Dazu kommt, dass immer weniger jüdische Wähler überhaupt am Thema Israel interessiert sind, wie Thomas Friedman jüngst in der New York Times schrieb. Es geht den Kandidaten hier auch darum, Sponsoren für deren Wahlkampagnen anzulocken. Durch protzige, mutmaßliche pro-Israelische und gleichzeitig anti-Iranische Sprüche lassen sich ähnlich gesinnte Bürger dazu ermuntern, Beträge an die sogenannten Public Affairs Committees der Kandidaten zu überweisen, die eine Art gGmbH sind, über die sie ihre Kampagnen finanzieren. Außerdem richteten sich die Sprüche der Kandidaten vor der RJC auch radikalen Evangelikalen, die im besten Fall den Islam gern abgeschafft sähen, für die im schlimmsten Fall aber Israel ein Zeichen Gottes ist und der Krieg gegen den Iran das Erfüllen einer Prophezeiung darstellt.
Das Rezept hat Wirkung. So bekam Newt Gingrich vor einigen Tagen eine Spende über 5 Millionen US-Dollar an seinen PAC überwiesen. Bei dem Spender handelt es sich um den Casino-Besitzer Sheldon Adelson. Zu Adelsons Hobbies gehören neben der Privatisierung des Sozialversicherungssystems auch die Unterstützung des rechten Flügels innerhalb des israelischen politischen Systems. So wurde er von der Zionist Association of America geehrt, einer Organisation die Ansichten vertritt die soweit rechts außen gelagert sind, dass selbst der Hauptsitz der Israel-Lobby AIPAC das weite sucht. Zwar hatte auch AIPAC in der Vergangenheit Spendengelder von Anderson erhalten, aber er wandte sich irgend wann ab, weil AIPAC es nicht lassen konnte, für eine Zweistaatenlösung einzustehen, was Anderson wohl zu liberal war.
Darüber hinaus finanziert Anderson das israelische Boulevardblatt Israel Hayom, das in Israel scherzhaft als so etwas wie ‘Bibis Allgemeine’ bezeichnet wird, da die Redakteure, wenig überraschend, eine ausgeprägt Likud-freundliche Linie vertreten. Das Blatt ist kostenlos, wird an strategischen Straßenecken den Lesern quasi aufgezwungen und hat somit in den letzten Jahren aktiv zum Rechtsruck in der israelischen Gesellschaft beigetragen.
Nicht teilgenommen an der Debatte der Republican Jewish Coalition im Dezember hatte übrigens der Kandidat Ron Paul, denn der wurde gar nicht erst eingeladen. Als Grund dafür wurden seine „extremen und fehlgeleiteten Ansichten“ genannt. Damit ist gemeint, dass er z.B. bei der Verteilung von Entwicklungshilfe alle Länder gleich behandeln würde und keines in irgend einer Weise bevorzugen würde. Das hieße für Israel u.U. einen Verlust der etwa 3 Milliarden USD an jährlicher Unterstützung für den Militärhaushalt. Auch hat Paul geäußert, dass ein Krieg gegen den Iran völlig unnötig und kontraproduktiv sei und der Krieg gegen den Irak ein Fehler war. Das angebliche Attentat auf die Vertretung Saudi-Arabiens in Washington D.C. durch einen iranischen Terroristen hatte er als Kriegspropaganda bezeichnet. All das wurde natürlich sofort als Position der Schwäche interpretiert und als Material für reichlich Gegenwerbung ausgeschlachtet.
Wie wirkt sich das alles auf die tatsächliche Politik mit Hinsicht auf den Iran aus?
Netanjahu geht es primär um den Erhalt des status quo in Israel, insbesondere dem Erhalt seiner Koalition, und dazu ist jedes Mittel recht. Die Angst vor einem nuklearen Angriff durch den Iran wird somit aktiv unter der Bevölkerung geschürt, die Nation bleibt, mal abgesehen von diversen anderen Fronten, im Kriegszustand, und Netanjahu kann den starken Mann spielen, der durch einen Angriff auf den Iran die Bevölkerung von ihrem Schicksal erlösen kann. Dann kann er sich als Held feiern lassen und auf eine Wiederwahl hoffen. In der Zwischenzeit muss er sich von keiner J14-Bewegung irgendwas von Armut im Land erzählen lassen und kann ungestört den Militärhaushalt um mehrere Milliarden Schekel aufstocken, wie es neulich erst geschah.
Für das Heraufbeschwören von Gefahren und das Spielen des starken Mannes (in Ausnahmefällen auch der starken Frau) könnten hier reichlich viele Beispiele allein des 20. und 21. Jahrhunderts aufgeführt werden, aber die Liste wäre viel zu lang. Das Rezept jedenfalls wird wohl immer funktionieren.
Nun ist es allerdings so, dass der Staat Israel es ist, der dank der Unterstützung durch europäische Länder und die USA im Besitz diverser nuklearer Sprengköpfe ist (die Schätzungen reichen von 200 bis 400), wie wir seit Vanunu wissen, und den Iran, oder irgend ein anderes Land in Reichweite, innerhalb weniger Minuten in eine nukleare Wüste verwandeln könnte.
Dazu kommt, dass verschiedene Vertreter der israelischen Regierung bereits seit geraumer Zeit auf einen Angriff auf den Iran drängen. So wie es im Irak funktioniert hat ließe sich doch bestimmt auch der Iran fragmentieren und de-stabilisieren und somit schwächen, mutmaßte z.B. der Mossad-Chef Meir Dagan in Jahre 2007. Dabei schreckt man vor nichts zurück, das Aufstacheln ethnischer Minderheiten und die Unterstützung für dortige Terrororganisationen werden in Erwägung gezogen und sind im Zweifelsfall schon lange Realität. Mit Hinblick auf den Mord an dem iranischen Wissenschaftler Mostafa Ahmadi Roshan am vergangenen Mittwoch erklärte so z.B. der Stabschef des israelischen Militärs Benny Gantz, “dass der Iran noch weitere unnatürliche Ereignisse in diesem Jahr zu erwarten hat”. Die Zeitschrift Foreign Policy berichtet wie Mossad-Agenten, auch gleich noch als CIA-Agenten getarnt, Kontakte zur sunnitischen Terrororganisation Jundallah unterhalten.
Auch haben die Menschen im Iran in unmittelbarer Nachbarschaft gleich an zwei Schauplätzen gesehen, wozu die Staaten des Westens so in der Lage sind, wenn sie mit Regimen aufräumen die sich deren Diktat nicht mehr fügen wollen.
Wenn also einer Angst haben sollte, dann die Menschen im Iran.
Es darf auch darauf hingewiesen werden dass bisweilen nach internationalem Recht kein Grund zur militärischen Intervention gegen den Iran vorliegt. Bislang gibt es keine Daten die belegen, dass der Iran in der Lage wäre, eine Atombombe zu bauen. Es gibt noch nicht einmal eine Erklärung der Regierung in Teheran, eine Atombombe bauen zu wollen. Bisweilen geht es, jedenfalls offiziell, nur um den Aufbau eines zivilen Atomprogramms und sämtliche belegten Anreicherungsversuche sind für den Bau einer Bombe unzureichend. Damit bewegt sich der Iran innerhalb internationalen Rechts, denn es ist – anders als z.B. Israel – Mitglied der Non-Proliferation Treaty. Das internationale Recht, ganz ähnlich wie das Strafgesetz in Deutschland, lässt nicht zu, dass Maßnahmen ergriffen werden, ohne dass ein entsprechender Tatbestand vorliegt. Schließlich wird in Deutschland auch keiner bestraft, weil er vielleicht in einigen Jahren eine Straftat begehen könnte. Aber um Recht und Gesetz geht es dem israelischen Premier am allerwenigsten, genau so wenig wie den GOP-Kandidaten (außer vielleicht Ron Paul).
Netanjahu macht seinem Volk Angst und wer Angst hat, der gibt sich dem sehr menschlichen Bedürfnis hin, auf Nummer sicher zu gehen und vorsichtshalber schon mal drauf zu hauen, bevor was passiert. Genau so wie es die GOP-Kandiaten in den USA machen.
Die Taktik kennen wir u.a. auch vom Team Bush-Rice, die einst in ihren Reden persistent davon sprachen, dass man besser nicht darauf warte bis irgendwo ein Atompilz zu sehen ist bevor endlich mal Richtung Bagdad losmarschiert wird.
Mit einem derartig wuchtigen und psychologisch enorm wirksamen Argument wurden einst noch die meisten Kriegsgegner in den USA sehr effektiv zum schweigen gebracht. Im Fall von Israel funktioniert die Strategie doppelt gut, haben doch die meisten europäisch-stämmigen Bewohner irgend wo in ihrer Familie jemanden, der in einem der Konzentrationslager zu Grunde ging. Je mehr Angst, umso größer das Bedürfnis nach dem starken Mann der per Präventivschlag aus der Krise zu führen verspricht.
Nun ist sich die Regierung Obamas dieser Umstände sehr bewusst. Dem Präsidenten selbst und seinen Beratern dürfte klar sein, dass der Konflikt mit dem Iran unnötig ist und mit Geduld und Diplomatie entschärft werden könnte. Tatsächlich gab es in den letzten Jahren Versuche, über geheime diplomatische Beziehungen mit der Regierung in Teheran in Kontakt zu treten, um die Situation zu de-eskalieren. Nun bedarf es einige Zeit bevor diplomatische Bemühungen fruchten. Bevor es aber zu einer Entschärfung hätte kommen, können geriet Obama systematisch von mehreren Seiten unter Druck und ihm wurde so die Möglichkeit einer diplomatischen Annäherung an den Iran genommen.
Die Abgeordneten im Kongress, von denen eine Mehrheit finanzielle Unterstützung von AIPAC erhält, und die wiedergewählt werden wollen, verlangten ein härteres Vorgehen des Präsidenten und einen Abbruch der diplomatischen Bemühungen. Die israelische Regierung machte ihrerseits Druck und ohnehin muss Obama Netanjahu förmlich betteln, um ihn von unilateralen Schritten abzuhalten. Letztlich hat auch die Regierung in Saudi-Arabien Interesse an einem geschwächten Iran und drum ditto ein härteres Vorgehen verlangt.
Angesichts dessen hatte Obama keine andere Wahl als einen Kurswechsel einzuschlagen, was dann zu Versuchen der Administration führte, andere Staaten davon zu überzeugen, die bereits seit Jahrzehnten andauernden Sanktionen noch weiter zu verschärfen und kein Öl mehr aus dem Iran zu kaufen, was durchaus fruchtete. Obama hatte zudem Geschäfte mit der Zentralbank Irans verboten.
Als Reaktion darauf drohte dann die Regierung in Teheran mit der Blockade der Straße von Hormuz.
Den GOP-Kandidaten reicht das alles natürlich nicht und sie schlachten aus der Situation Kapital, um mit viel Männlichkeit bei den Wählern zu punkten. So stellte z.B. Mitt Romney klar, dass Obama dem Iran besser mit Krieg drohen solle und fügte hinzu, dass mit ihm als Präsident der Iran keine Atombombe haben wird, mit Obama in einer zweiten Amtsperiode aber schon. Also auch hier wieder die schwarz-weiß Formel, entweder mit der Keule schwingen oder der Tod durch die Bombe ist gewiss.
Dazu kommt, dass der Fernsehsender Fox News ohnehin eine kriegerische Linie fährt und in den letzten Tagen die Rhetorik zum Thema Iran noch um einige Schritte verschärft hat. So wird Obama immer mehr als Schwächling dargestellt, der es nicht drauf hat, dem Iran ordentlich die Stirn zu bieten. Seine diplomatischen Annäherungsversuche werden ihm zum Vorwurf gemacht. Seine Rede in Kairo zum Amtsantritt wird ihm immer wieder vorgehalten als ein Zeichen seiner Schwäche und er wird als Chefapologet beschimpft. Dabei schaffen es die Sprecher von Fox News, die Rhetorik zur Außenpolitik mit den Arbeitslosenzahlen in Verbindung zu bringen. So wird Obama mit Reagan verglichen zusammen mit den jeweiligen Arbeitslosenzahlen, die unter Reagan nun mal weitaus niedriger waren als im Schnitt der letzten Jahre. Die Formel ist Obama=Diplomatie=außenpolitische Schwäche=keine Jobs; Reagan=militärische Drohungen=außenpolitische Stärke=keine Arbeitslosigkeit.
Nun kann sich Obama auch weiterhin währen militärisch aktiv zu werden, was wohl die meisten seiner Unterstützer auch von ihm erwarten. In diesem Kontext ist sein Anruf bei Netanjahu vor einigen Tagen zu verstehen. Ob es ihm aber mittelfristig gelingen wird, die Kampfhunde in Zaum zu halten ist fraglich.
Mithin ist die Situation auch längst zum Selbstläufer geworden. Der Autor des Buches „The single Roll of the Dice – Obama’s Policy towards Iran” beschrieb die Lage vor einigen Tagen in etwa so : „Wir könnten uns bald in einer Situation befinden, in der nicht mehr die Regierungen die Dynamiken kontrollieren, sondern in der die Dynamiken die Regierungen kontrollieren.“
Von der Regierung in Berlin ist kaum etwas anderes zu erwarten als eventuelle militärische Interventionen gegen den Iran zu unterstützen. Das dürfte dem Team Merkel auch nicht sonderlich schwer fallen, orientiert sich doch die Außenpolitik der BRD seit ihrer Gründung weniger an Menschenrechten, internationalem Recht und der Förderung des Friedens, wie es das GG eigentlich verlangt, als vielmehr an pragmatischen Erwägungen und, mit Hinsicht auf Nahost jedenfalls, den Vorgaben aus Washington D.C. und Jerusalem.
Wenig überraschend wurden wir so zum Jahresbeginn in keiner geringeren als der Zeitschrift der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik mit ernüchternden Worten auf eine Unterstützung Deutschlands an einem Militärschlag gegen den Iran eingestimmt:
“Die nächste Zeit wird gekennzeichnet sein durch den Ruf nach schärferen Sanktionen und nach dem Einsatz militärischer Mittel – und die deutsche Politik täte gut daran, sich auf raue Zeiten einzustellen. … Deutsche Politik sollte in dieser Phase nicht [versuchen] aus dem internationalen Konvoi auszuscheren. Das Problem ist der Iran, nicht die USA. Es ist zu hoffen, dass – sollte es zu einer Eskalation der Krise kommen – die Bundeskanzlerin es verhindern kann, dass einzelne Regierungsmitglieder sich durch öffentlichkeitswirksame Opposition gegen Militärmaßnahmen der USA zu profilieren versuchen. Die Bundesregierung sollte auch deutlich machen, dass nachhaltige Sanktionen gegen den Iran teuer werden können. Dazu gehören erhöhte Benzinpreise… .”
Also ist doch alles klar: es wird mit hoher Wahrscheinlichkeit bald wieder mehr Krieg geben und wer was dagegen hat soll bitte die Klappe halten. Die Lage sieht somit reichlich aussichtslos aus.
Dennoch können Kriegsgegner aktiv werden in dem sie z.B. Netzwerke mit Gleichgesinnten bilden, in den Iran reisen um Solidarität zu zeigen (hilft auch dem Verständis der Situation), zu occupy-Veranstaltungen gehen und dort das Mikro in die Hand nehmen, bei Merkel, anderen Regierungsmitgliedern und den Bundestagsabgeordeneten sowie bei der Europäischen Kommission in Brüssel pausenlos Nachrichten auf dem AB hinterlassen sowie Emails und Faxe schreiben, und Antworten von den Oppositionsparteien verlangen. Letztlich ist es der fehlende, oder zu gering ausfallende Widerstand, der es den Regierungen überhaupt erst möglich macht, in anderen Ländern militärisch zu intervenieren.